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Laut gedacht

Wir sagen nicht was wir denken und wir meinen nicht was wir sagen.

Wir sagen, was wir meinen das wir sagen sollen

und denken das wir das eigentlich nicht tun wollen.

Und wir tun nicht was wir sagen

und wir denken das ist falsch.

Und wir meinen zu verstehen das wir das mal ändern sollten,

weil wir eigentlich ja das was wir meinen sagen wollten.

Vom haben und nicht haben

Was ich alles nicht hab

 

Ich hab keine bessere Hälfte und keine Schokoladenseite.

Ich hab keine Macht, keinen Titel, kein Tattoo und keine Lieblings Kneipe.

Ich hab kein gutes Bauchgefühl – weil ich`s oft mit Hunger verwechsle,

kein gutes Ordnungsempfinden, obwohl ich Ordnung sehr schätze.

Ich hab mich nie getraut beim Flaschendrehen, die Flasche zu drehen.

Ich hab noch nie Sternschnuppen, nie Glühwürmchen und nie Titanic gesehen.

Und ich hab Swag und kein Six-Pac,

kein Nickname, kein Big Mag,

keine Gang, keine Big Band,

kein Base Cap, kein Whatsapp,

Ich hab keine Straße, kein Bezirk und auch sonst keinen Block,

bin nicht bei You Tube, nicht bei Twitter, hab auch sonst nie geblogt.

Hab kein Talent im Mindjogging,

nicht im Partyhoppen,

nicht im Smalltalken,

nicht im Moonwalken.

Ich hab keinen Stile und kein Markenzeichen, kein Look und kein X-Factor

– ich hab auch kein Problem damit, weil`s bloß ein Wort ist mit `nem X davor.

Mein Facebook liest sich nicht wie die Chronik von Narnia,

ich keinen Plan von der Liebe und keine Ahnung von Charma.

Ich hab keine schöne Handschrift, keine Super- keine Zauberkraft,

ich hab nicht the moves like Jagger und in keinem Club `ne Mitgliedschaft.

 

Was ich alles hab, aber nicht will

 

Ich hab Angst vor falschen Entscheidungen und davor mich nicht zu entscheiden.

Ich hab Angst irgendwo wegzugehen und mir eigentlich zu wünschen zu bleiben.

Ich hab Angst Fehler zu machen – auch wenn ich weiß das sie wichtig sind.

Ich hab Angst zu spät zu merken, welche Wege doch richtig sind.

Ich hab Angst davor wie schnell Zeit vergeht und das ich sie nicht richtig nutze.

Ich hab Angst, das ich nicht alles umsetzen kann, was mir eigentlich lange bewusst ist.

Ich hab Angst, das ich nie eine so gute Mutter wie meine werde.

Ich hab Angst, das es Dinge gibt, die obwohl ich das weiß niemals lerne.

Ich hab Angst, ich selber zu sein und dass das nicht ausreicht.

Ich hab Angst, so viel zu verpassen und ich sag zu oft vielleicht.

Und manchmal hab ich Angst, das ich im Zug keinen Platz kriege, oder mein Ticket verliere.

Ich hab Angst, das ich Angst  viel zu wichtig nehme oder vielleicht falsch definiere.

Ich hab Angst, das ich vom ganzen nachdenken irgendwann heimlich still und leise implodiereund in tausend Stücke zersplitter

aber wenigstens hab ich keine Angst vorm fliegen, noch vor Zombies und auch nicht vor Gewitter.

Und ich hab Luxusprobleme:

Manchmal will ich Zähne putzen und ich hab keine Zahnpasta mehr.

Manchmal hab ich bock auf Nudeln und bei Rewe ist die Pasta schon leer.

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden zwischen Kaffee oder Tee

und manchmal hab ich Bauch- oder Kopf- oder Heim- Zahn- oder auch Fernweh.

Und manchmal hab ich das Gefühl, das andere besser sind als ich, dann muss ich überrascht feststellen dass,

alte Menschen weiser,

Millionäre reicher,

Luft leichter und luftiger,

Äpfel reifer und fruchtiger,

Einhörner flauschiger,

das Meer viel berauschender,

Kleber krasser und klebriger,

Gewässer nasser und ewiger sind als ich,

und manchmal muss ich feststellen, das ich dich lieber mag als du mich.

 

Was ich alles hab

 

Ich hab so viele Dinge, viel mehr als ich eigentlich er- und vertrage.

Ich hab so viel Klamotten und Schmuck und Gedöns, viel mehr als ich eigentlich trage.

Ich hab ein Einrad und ein Skateboard, das ich eigentlich nicht fahre.

Und ich hab Augen, die alles das was ich betrachte auch tatsächlich sehen.

Ich hab Beine, die manchmal stehen, oder tanzen, oder sitzen, oder tatkräftig gehen.

Ich hab Ohren, die alles das was du sagst ganz Wörtlich verstehen

und manchmal auch das was du eigentlich meinst.

Ich hab Empathie, die mir weh tut wenn irgendwer weint.

Ich hab Arme und Hände, die Dinge halten können und dich.

Ich hab eine Mimik aus Muskeln und Fältchen und Haut, im Gesicht.

Ich hab ein Herz, das ich zu selten auf der Zunge trage – aus Angst das ich`s verschluck.

Ich hab ein Lächeln, das ziemlich gut funktioniert, aber das ich zu selten benutze.

Und ich hab Freunde

und Träume,

meine Stimme

und Sinne.

Ich hab so viele Ideen.

Ich hab so viel zu geben.

Es gibt so viel zu erleben

und so viel zu lesen.

Ich hab Fragen die offen sind

und Haare die offen sind.

Ich hab Tränen die Tropfen sind

und ziemlich schnell trocken sind.

Ich hab sicherlich nicht all zu viel, aber doch ein bisschen Wissen.

Ich hab ein Gehirn mit Synapsen die sich stündlich verknüpfen.

Ich hab Erinnerung.

Erinnerung von den mir noch Ernte verbleibt.

Ich hab meine Meinung, Gefühle und Werte und Zeit.

Und ich hab Vertrauen.

Vertrauen darin das Zeit

Wunden heilt

und Vertrauen in mich.

Vertrauen darin, das alles gut wird und in das Leben an sich.

Und ich hab mein Leben, das Endlich ist

und nicht selbstverständlich ist.

Vielleicht eine Seele die ewig beständig ist,

auch wenn der Gedanke daran für mich sehr befremdlich ist.

Und ich hab noch was, das vergess ich oft, dann muss ich mich neu besinnen:

Ich hab nichts und nichts zu verlieren,

sondern so viel zu gewinnen.

Ich hab tausend Gründe zu lachen

und bloß einen zum weinen

und vor Allem hab ich allen Grund glücklich zu sein!

 

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